1. Wie groß ist der wirtschaftliche Schaden für die Gemeinde Edertal?
Der Sturm Friederike hat auch im Gemeindewald Edertal deutliche und tiefgreifende Spuren hinterlassen. Insgesamt wurden nach derzeitigen Erkenntnissen ca. 12.000 fm geworfen oder gebrochen, davon 87% = 9.600 fm Fichte. Der finanzielle Schaden ist schwer zu beziffern, da zwischen echtem Schaden und Vermögensliquidierung zu unterscheiden ist.
- Zunächst muss davon ausgegangen werden, dass bestehendes Holzvermögen (Waldbestand) in Geldvermögen umgewandelt, d.h. liquidiert wird. Dies wäre zunächst kein Verlust sondern nur eine Vermögensumwandlung.
- Ein echter finanzieller Schaden ist aber durch Schäden am Holz entstanden. Zum Glück war der Bruchanteil bei den beiden Winterstürmen durch den sehr nassen, nicht gefrorenen Boden eher gering, aber vorhanden.
- Weiterhin können Folgeschäden durch holzzerstörende oder holzverfärbende Schädlinge tierischer oder pilzlicher Art entstehen.
- Ein Schaden droht durch ein aufkommendes Überangebot am Holzmarkt. Da HessenForst einen Teil des Holzes auf Nasslagerplätzen lagert ist eine gewisse Marktberuhigung festzustellen. Außerdem wird ein großer Teil der Verkäufe auf Grundlage bestehender Verträge mit guten Preisen abgewickelt.
- Allerdings muss auf Grund des Kalamitätsumfangs auch ein Anteil des Sturmholzes zu geringeren Preisen verkauft werden.
- Außerdem entsteht ein Schaden durch erzwungene Nutzung nicht reifer Bäume (Hiebsunreife). Die meistbetroffene Baumart Fichte ist am meisten wert, wenn sie einen Mittendurchmesser zwischen 25 cm und 49 cm hat. Dünnere Bäume werden geringer bezahlt.
- Weiterhin entsteht ein Schaden durch höhere Aufarbeitungskosten, insbesondere durch Lagerkosten und Engpässe bei den Holzfuhrunternehmern.
- Schließlich entstehen erhöhte Aufwendungen für den Schutz der Kulturen und Kulturpflege.
- Allerdings wird ein Teil des Schadens durch einen Kostenzuschuss des Landes i.H.v. von 3,- €/Efm abgefedert.
2. Wo hat es flächenhafte Windwürfe über ca. 0,5 ha Größe gegeben?
14 Abteilungen sind von flächenhaften Würfen von mehr als 0,5 ha betroffen, insgesamt sind es 18 ha. Welche Abteilungen es im Einzelnen sind, werden wir in tabellarischer Form den Gemeindevertretern noch zur Kenntnis geben.
3. Wo sind durch den Windwurf ganze Bestände bedroht?
Revier Wellen: Flächige Windwürfe finden sich in den Abteilungen 5 und 6, zusammen ca.10 ha. Allerdings kam es in fast allen Abteilungen zu Einzel- und Nesterwürfen. Bestände wie z.B. die Abteilungen 7, 11 oder 707 sind nicht flächig geworfen aber durch Windwurfschneisen und Löcher stark angerissen und destabilisiert. Die Folgen – weitere Windwürfe, Borkenkäfer – lassen sich erst in den kommenden Jahren abschätzen.
Revier Netze: In fast allen Abteilungen kam es in Folge der Stürme in Kombination mit den völlig durchnässten Böden zu Einzel- und Nesterwürfen in den Fichten/Douglasien und Kiefernbeständen.
Zu einer völligen Auflösung ganzer Bestände hat dies nicht geführt. Inwieweit die angerissenen Bestände in den kommenden Jahren gegenüber Windeinflüssen stabil sind, wird sich zeigen.
4. Wird eine Rücklage gebildet für die Finanzierung von erhöhten Wegebaukosten und Wiederaufforstungen?
Das Forstamt Vöhl rät der Gemeinde Edertal, die Überschüsse aus der Sturmwurfaufarbeitung – die Baumartengruppe Fichte erzielt hohe Durchschnittspreise – dafür zu nutzen, möglichst Rückstellungen oder auch Rücklagen für Wiederaufforstung und Wegebau zu bilden. Bezüglich der Wiederaufforstungen sind einerseits die direkten Kosten der Pflanzung zu berücksichtigen, dann aber auch diejenigen der Nachbesserung, des Schutzes gegen Wildschäden und der Kulturpflege. Entsprechende Ansätze werden wir bei dem Jahresabschluss 2018 und für die Planung des Haushalts 2019 ff berücksichtigen.
5. Werden die durch den Sturm angefallenen hohen Fichtenmassen in den nächsten Jahren ausgeglichen?
Die plangemäße Forstwirtschaft bucht alles Holz, das geerntet wird oder auch als Restholz im Wald verbleibt als IST. Dieses wird mit dem SOLL-Hiebssatz der Forsteinrichtung verglichen. Mehr- und Mindermengen werden auf die restliche Forsteinrichtungsperiode verteilt, mindestens aber auf 5 Jahre. Der Hiebssatz der Forsteinrichtung wird dadurch zum „ausgeglichenen Hiebssatz“. Da die zukünftigen Mindermengen in der Fichte wohl aber nicht vollständig durch die Mehrmengen in den Laubholzarten ausgeglichen werden können, ist eine Rücklage für den finanziellen Ausgleich im Haushalt sinnvoll oder aber die Akzeptanz eines etwas geringeren Überschusses im Forsthaushalt notwendig.
6. In der Abteilung 707 bei Kleinern gibt es Schälschäden durch Rotwild. Wie schätzt das Forstamt / die Gemeinde Edertal die Situation ein?
Im Bereich der Abteilung 707 taucht Rotwild sporadisch als Wechselwild auf und es kommt auch zu vereinzelter Schäle (meist Feisthirsche im Sommer). Die Schäden sind für den Gemeindewald aktuell noch nicht bedrohlich, werden aber vermutlich durch den wachsenden Rotwildbestand im Kellerwald zunehmen. Zusätzlich findet sich in vielen Beständen flächige Buchennaturverjüngung welche schälgefährdet sein wird. Bei Verschärfung der Situation ist durch die Waldbesitzer auf einen erhöhten Abschuss des Wildes durch die Jagdpächter hinzuwirken.