Antrag: Zukünftig mit der Bahn zur Edertalsperre

Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN stellt für die Sitzung der Gemeindevertretung am 15.07.2021 folgenden Antrag:

Beschluss

Die Nationalparkgemeinde Edertal fordert – im Rahmen des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes und des Mobilitätsfördergesetzes – den Landkreis Waldeck-Frankenberg und den nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) auf, eine Machbarkeitsstudie mit dem Ziel durchzuführen, die Bahnstrecke von Wabern nach Bad Wildungen zu elektrifizieren, eine elektrifizierte Bahnstrecke von Wega bis zur Edertalsperre für den Personenverkehr zu realisieren sowie den Ederseebahn-Radweg bis nach Wega zu verlängern. Die Edertalsperre soll sowohl von Kassel als auch von Bad Wildungen aus im Einstundentakt erreichbar sein. Sofern Umstiege in Wega nötig sind, sollen dort die Umsteigezeiten in alle Richtungen maximal 7-10 Minuten betragen. Die Machbarkeitsstudie soll folgendes Vorhaben untersuchen:

  • Elektrifizierung der Strecke von Wabern nach Bad Wildungen und Verdichtung auf einen Einstundentakt
  • Sanierung und Elektrifizierung der bereits vorhandenen Bahnstrecke von Wega nach Hemfurth
  • Verlängernder Neubau einer elektrifizierten Bahnstrecke von Hemfurth zur Edertalsperre
  • Realisierung von acht Bahnstationen:
    • Wega: Ergänzung eines Bahnsteigs, Umstieg zu Regionalbahn 39 sowie Buslinien 500 und 514
    • Anraff: Stationsneubau an der Kreuzung Wegaer Straße, Umstieg zu Buslinie 514
    • Giflitz: Stationsneubau an der Kreuzung Bahnhofstraße, Umstieg zu Buslinien 510 und 515
    • Bergheim: Stationsneubau an der Kreuzung Landesstraße 3383, Umstieg zu Buslinien 510 und 515
    • Lieschensruh: Stationsneubau an der Kreuzung Bundesstraße 485, Umstieg zu Buslinien 510 und 515
    • Affoldern: Stationsneubau an der Kreuzung Hemfurther Straße, Umstieg zu Buslinien 510 und 515
    • Hemfurth: Stationsneubau an der Bringhäuser Straße, Umstieg zu Buslinie 510 und Peterskopfbahn
    • Edertalsperre: Stationsneubau an der Sperrmauer, Umstieg zu Buslinie 510
  • Verlängerung des Ederseebahn-Radwegs von Bahnhof Buhlen über Bergheim bis zum Endpunkt der Ederseebahn in Wega (die Streckenführung von Bergheim nach Wega erfolgt parallel zur Bahnstrecke)

Die Gemeindevertretung fordert die Nationalparkgemeinde Edertal und den Landkreis-Waldeck Frankenberg auf, die Trassensicherung der Bahnstrecke von Wega nach Hemfurth mindestens solange voranzutreiben, bis die Machbarkeitsstudie fertig ist und die endgültige Entscheidung über das Vorhaben gefallen ist.

Begründung

Die Realisierung der oben beschriebenen Bahnprojekte schließt Edertal und die östliche Ederseeregion an das Bahnnetz an und schafft klimagerechte Verbindungen nach Kassel, das Rhein-Main-Gebiet und zahlreiche weitere Orte in Deutschland. Für Pendler*innen von und nach Edertal entsteht eine echte Alternative zum eigenen Auto. Auf diese Weise sinkt die bislang hohe Belastung von Mensch, Klima und Umwelt durch den individuellen Autoverkehr in Edertal und der östlichen Ederseeregion.

Insbesondere im Hinblick auf Edertal als Klima-Kommune ist dies von großer Bedeutung. Studien haben gezeigt, dass Menschen von Auto auf die Bahn umsteigen, wenn attraktive und gut erreichbare Bahnverbindungen bestehen. Dadurch wird die Lebensqualität des ländlichen Raumes gefördert. Daher hat die Bahnverbindung für die Edertaler*innen einen erheblichen Nutzen. Derzeit ist Edertal überhaupt nicht an das Bahnnetz angeschlossen und gewinnt mit der Bahnstrecke sieben Bahnstationen. Ungefähr die Hälfte aller Edertaler Einwohner*innen (ca. 3.000 Einwohner*innen) werden eine Bahnstation im eigenen Wohnort haben und ganz Edertal (ca. 6.000 Einwohner*innen) wird deutlich näher an einer Bahnstation wohnen. Dies reduziert das Pendeln von Edertal nach Bad Wildungen, Fritzlar und Kassel und umgekehrt mit dem Auto und ist für Edertal insgesamt ein nicht zu unterschätzender Standortvorteil.

Der Edersee und der Nationalpark Kellerwald-Edersee sind bislang nur an der Westseite direkt an das Schienennetz angebunden (Untere Edertalbahn von Korbach nach Frankenberg). An der Ostseite besteht bislang kein direkter Schienenanschluss. Durch eine Bahnverbindung zur Edertalsperre wird ein solcher hergestellt. Der Edersee liegt direkt an der zukünftigen Bahnstation Edertalsperre. Der Nationalpark ist von den zukünftigen Bahnstationen Affoldern, Hemfurth und Edertalsperre aus fußläufig erreichbar.

Die Ederseebahn wurde zum einen großen Teil in den touristischen Ederseebahn-Radweg umgewandelt. Dieser wird bis zum Endpunkt der Ederseebahn verlängert. Somit profitieren zukünftig auch Bergheim, Giflitz, Anraff und Wega von Fahrradtourist*innen.

Die Bahntrasse zur Edertalsperre ist relativ leicht zu realisieren, da die Trassensicherung der zu reaktivierenden Strecke von Wega nach Hemfurth bislang noch nicht aufgegeben wurde, die Gleise noch vorhanden sind und nur ein kleines Stück Trasse bis zur Edertalsperre fehlt. Daher muss die Strecke nur reaktiviert (es gibt keine erheblichen Hindernisse zur Reaktivierung), saniert, elektrifiziert und bis zur Edertalsperre verlängert werden. Die Eigentümerin des Streckenabschnitts von Wega nach Bergheim ist die Deutsche Bahn, von Bergheim nach Hemfurth die Uniper. 

Die Aufgabe der Trassensicherung für die Neuaufstellung des Regionalplan ist seitens des Regierungspräsidiums Kassel in Diskussion. Angesichts der durchzuführenden Machbarkeitsstudie darf die Trassensicherung jedoch nicht aufgegeben, sondern muss stattdessen vorangetrieben werden.

Streckenverlauf

Streckenverlauf der Bahntrasse zur Edertalsperre

© OpenStreetMap contributors, Lizenz

Behandelt am:
15. Juli 2021

Ergebnis:
Überweisung an den Haupt- und Finanzausschuss durch den Vorsitzenden der Gemeindevertretung.